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Montag, 19. Februar 2007
SPIEGEL-Kantine | Einlass 18.30, Beginn 19.00 Uhr

TideEine Aufzeichnung der Veranstaltung wird auf Radio TIDE 96.0 ausgestrahlt. Sendetermine: 27.02.07 um 15:00 Uhr und 02.03.07 um 14 Uhr. Radio TIDE 96. 0 ist in Hamburg zu empfangen auf UKW 96,0 MHz und im Kabel auf 95,45 MHz.

Dämonen?

Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma: Dostojewski als Analytiker des modernen Terrorismus

Im Anschluss führen Stefan Aust (Der SPIEGEL), Dr. Wolfgang Kraushaar (Hamburger Institut für Sozialforschung) und der Referent ein Gespräch über Terrorismus.

Dostojewski hat sich eingehend mit dem russischen Terrorismus seiner Zeit befasst. Sein Roman "Die Dämonen" ist ein Ergebnis dieser Beschäftigung, vor allem mit dem "Fall Netschajew", der vor Gericht verhandelt wurde. Es ging dabei um eine Art Fememord, der in literarisch veränderter Form auch Thema des Romans wird. Dostojewski schildert so etwas wie einen Idealtyp einer terroristischen Kleingruppe, die und deren Umfeld eine frappierende Ähnlichkeit mit entsprechenden Milieus der 70er Jahre in der Bundesrepublik hat. Nimmt man den Roman theoretisch ernst, lassen sich interessante Folgerungen für die Frage nach der Motivation terroristischer Aktivitäten ziehen. Hier kann man an einem Beispiel sehen, wie in literarischen Werken Wissen vorhanden sein kann, um das sich Sozialwissenschaften und Politik möglicherweise sehr lange und nicht sonderlich erfolgreich bemühen. Man kann zudem die Frage stellen, was eigentlich eine solche über die Zeiten feststellbare Ähnlichkeit - trotz aller Unterschiedlichkeit der politischen Umstände und veränderten ideologischen Ziele - verursacht.

Veranstalter: Hamburger Institut für Sozialforschung
Kontakt: Dr. Regine Klose-Wolf
Tel. 040 / 414097-12
E-Mail: presse@his-online.de

 

Über das Hamburger Institut für Sozialforschung

Hamburger Institut für SoizialforschungIm 1984 gegründeten Hamburger Institut für Sozialforschung arbeiten Vertreter verschiedener akademischer Disziplinen (vor allem Soziologen und Historiker) im Bereich empirischer Sozialforschung, historischer Analyse und sozialwissenschaftlicher Theoriebildung. Es gibt drei Arbeitsbereiche: Die Gesellschaft der Bundesrepublik; Nation und Gesellschaft; Theorie und Geschichte der Gewalt. Geistes- und Sozialwissenschaftler arbeiten unter einem Dach, neben der eigenen Disziplin ist das fachübergreifende Gespräch die Arbeitsgrundlage. Das Institut präsentiert seine Forschungsergebnisse in Vorträgen, Vortragsreihen, Tagungen, Buchpräsentationen sowie gelegentlich im Rahmen von Ausstellungen. Ein weiteres Forum für wissenschaftliche Publikation und Diskussion bieten die Zeitschrift "Mittelweg 36" und der Verlag "Hamburger Edition". Als Serviceeinrichtung bietet unser Haus eine Bibliothek und ein Archiv, die der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Zur Homepage des Hamburger Instituts für Sozialforschung

 

Über die Dozenten

Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma, Philologe, Geschäftsführender Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Arbeitsschwerpunkte: Literatur des 18. und 20. Jahrhunderts, Fragen der Zivilisationstheorie und Geschichte der menschlichen Destruktivität.
Neuere Veröffentlichungen:
Lessing in Hamburg, München: C.H. Beck 2007.
Das unaufhebbare Nichtbescheidwissen der Mehrheit. Sechs Reden über Literatur und Kunst, München: C.H. Beck, 2005.
Folter im Rechtsstaat?, Hamburg: Hamburger Edition, 2005.

Dr. Wolfgang Kraushaar, Politologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" des Hamburger Instituts für Sozialforschung; Arbeitsschwerpunkte: Untersuchung von Protest und Widerstand in der Geschichte der Bundesrepublik und der DDR (1949 bis 1990); insbesondere 68er-Bewegung, RAF und K-Gruppen; Totalitarismus- und Extremismustheorie; Pop-Kultur und Medientheorie.
Neuere Veröffentlichungen:
Wolfgang Kraushaar (Hg.), Die RAF und der linke Terrorismus, Hamburg: Hamburger Edition 2006.
Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus, Hamburg: Hamburger Edition, 2005.
Wolfgang Kraushaar/Karin Wieland/Jan Philipp Reemtsma, Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF, Hamburg: Hamburger Edition, 2005.

Stefan Aust, Journalist, Chefredakteur DER SPIEGEL und Geschäftsführer von SPIEGEL TV. Autor verschiedener Film- und Fernsehdokumentationen (unter anderem „Tod in Stammheim - der Weg der Ulrike Meinhof", 1976)-
Ausgewählte Veröffentlichungen:
Kennwort Hundert Blumen - Die Verwicklung des Verfassungsschutzes in den Mordfall Ulrich Schmücker, Hamburg: Konkret, 1980.
Der Baader-Meinhof-Komplex, Hamburg: Hoffmann und Campe, 2005.
Mauss: ein deutscher Agent, München: Goldmann 1999.
Der Lockvogel: die tödliche Geschichte eines V-Mannes zwischen Verfassungsschutz und Terrorismus, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002.